2023: Südandalusischer
Küstentrail (8. April - 14. April)
Samstag, 8.4.2023: 10.40 Abfahrt mit der WSB in Unterkulm. Ich treffe meine Tochter Judith in Aarau am Bahnhof, Abfahrt 11:31. Abflug in Zürich 14:55 (15 min. zu spät). Ruhiger Flug nach Malaga, pünktliche Ankunft 17.25. Treffpunkt für Fahrt nach Caños de Meca um 18 Uhr. Es sind da: Fahrerin und Assistentin Heinke von Joe Fuchs, Silvia mit Tochter Maike (ist heute 17), Juan und Beatrice aus Berlin. 2.5 h Fahrt, Ankunft 20.45. Ich bekomme ein grosses Hotelzimmer im Hostal de los Pinos. Nachtessen um 21 Uhr. Hier treffen wir Elke mit Nicole aus Deutschland und Joe Fuchs, den ca. 60-jährigenTrailführer. Er entspricht meinen Vorstellungen eines älteren Guide mit Zöpfchen, hager, gerötetem Gesicht, schmuddeligen Kleidern. Nachtessen mit Wein à 2.5 € pro Glas, Boquerones und Reis. Nicole, Elke, Silvia, Maike sind wie Judith Tourengreenhorns. Um 23 Uhr zu Bett.
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Sonntag, 9.4.2023: Ich habe nicht sehr gut geschlafen. Die Notbeleuchtung schaltete sich nachts dreimal automatisch ein. 8 Uhr, aufstehen, 9 Morgenessen, 10 Abfahrt. Ich freue mich auf den ersten Reittag. Joe holt uns im Hostal ab, und in 5 Minuten erreichen wir seine kleinen Finca, wo er mit circa 20 Pferden, seinem Sohn und seiner Tochter (Zwillinge) und ihrem Kind lebt. Die Kinder unterstützen ihn und haben die Pferde schon gesattelt. Der grosse Moment der Pferdezuteilung kommt: Ich bekomme Campañero, einen Andalusier und Judith eine kleine, braune Stute, namens Meca. Meine Satteltasche fürs Wasser passt. Nun führt uns die 1. Tagestour durch das Naturgeschutzgebiet La Breña. Wie immer am Anfang einer Tour reite ich direkt hinter unserem schlacksigen Führer Jo. Hier vorne hat man keine Probleme, bis man die Reitfähigkeit der andern einschätzen kann und muss nicht immer in der Kolonne nachtraben. Wir sind von 10:15 Uhr bis 17:15 Uhr unterwegs mit einer Reitzeit von 4 h für 23 km. Der Weg führt durch einen lockeren Pinienwald, über sandige Pfade bis zum Taubenhaus La Palomar. Dies ist eines der drei grössten Taubenhäuser der Welt und beherbergte früher 14’000 Tauben. Nach einem Getränk und Besichtigung reiten wir eine halbe Stunde weiter bis zur Venta Luis in San Ambrosio. Es gibt Salat, Auberginen, Hühnchen und Fisch, alles recht gut. Weiter geht es hinauf bis auf den höchsten Punkt, von dem aus wir eine ausgezeichnete Sicht auf den Leuchtturm von Trafalgar haben. Auf Sandwegen reiten wir hinunter nach Cap Trafalgar, am Turm vorbei, dann folgen wir den rauschenden Wellen des Atlantiks. Die Pferde scheuen nicht, auch wenn wir durch die Gischt reiten. Die Gruppe ist ausgeglichen, alle können recht gut reiten. Es geht ruhig voran, auch bei den rassigen Galoppaden. Nicole hat kleinere Probleme mit ihrem Pferd. Um 17:30 Uhr sind wir zurück bei der Finca, fahren ins Hotel zurück, machen Siesta, duschen. Dann gehe ich mit Judith ans Meer. Wir spazieren 15 Minuten zum Restaurant Sajorama Beach, trinken einen Apéro und warten bis 20:40 auf den Sonnenuntergang. Er findet nicht statt, da die Sonne in der diesigen Luft verschwindet. Da es uns zu laut ist, spazieren wir auf dem Sandweg dem entvölkerten Meer entlang zum Restaurant Chiringito, welches leer ist. Also zurück auf die alte Route, möglichst ohne Umwege bis wir unerwartet vor einem hohen Eisentor landen. Wir überklettern es übermütig und finden endlich ein passendes Restaurant (Pommes und Schnitzel).
Montag, 10.4.2023: Aufstehen ist wiederum um 8 Uhr, 9 Uhr Morgenessen, im Mercado noch kurz Wasser kaufen, denn während dem Ritt müssen wir das Trinken selbst in der Satteltasche mitnehmen. Um 10 Uhr werden wir im Hostal abgegholt. Die Fahrt zur Finca ist kurz. Hier sind die Pferde durch Joes Sohn vorbereitet. Wir müssen noch kurz warten, da der Hufschmied noch drei Pferde beschlagen muss. Dann brechen wir auf zum Strand von Zahora. Wir folgen den Sandstrand auf 13 km von Zahora über El Palmar, Conil bis nach El Colorado. Der Sand ist hell, es herrscht Ebbe, Gischt spritzt, der Himmel ist klar, die Sonne scheint warm. Es hat recht viele Leute am Strand, von Zeit zu Zeit verfolgt uns ein Hund. Wir galoppieren mit dem Wind im Gesicht und der weissen Küste auf der Seite des Meeres. Ein herrliches Gefühl, sich im Rhythmus der tollen Pferde zu bewegen und ein wenig Freiheit zu spüren. Bei Conil essen wir in einem kleinen Strandrestaurant. Ich bekomme einen feinen Fisch. Wir folgen der Küste bis zum Cabo de Roche und wenden uns dann in Richtung Colorado, wo die Pferde ihren Korral und Stall haben. Heinke erwartet uns, um beim Absatteln zu helfen. Wir nehmen ihr die meiste Arbeit ab, da sie in der rechten Schulter einen Muskel- und Sehnenriss hat. Sie lobt mich, sie hätte noch keinen gehabt, der so schnell sei. Nach 25 km und 4 Stunden im Sattel steigen wir glücklich ab, fahren nach Zahora und trinken gemeinsam noch ein Bier im Restaurant da Pino. Um 20 Uhr spazieren wir wiederum auf Umwegen zum Strand, um einen Apéro und den Sonnenuntergang zu geniessen. Leider ist das Strandrestaurant zu, der Osterrummel ist vorbei. Das Nachtessen geniessen wir unterwegs, Judith Falafel und ich feine Lammkoteletts. Im Hostal vor dem Schlafen noch einen Sleepydrink, dann verschicke ich bis 23.30 fünfundzwanzig elektronische Postkarten.
Dienstag, 11.4.2023: 8:30 übliches spanisches Morgenessen, ein Toastbrot mit Kaffee. Ich merke, dass ich gestern meine Mütze
im Restaurant haben liegen lassen. Nach dem Morgenessen fertig packen und um 9:30 Abfahrt. 33 km, 6 h 41 min im Sattel, Durchschnittsgeschwindigkeit 4.9 km/ h, max. Ges. 25.2 km/h. Fahrt nach
Colorado, wo wir die Pferde finden, ihnen ein Grasläckerli geben und sie sauber putzen. Dann zäumen, satteln, aufsteigen. Es ist mir als Gruppenältester noch immer wichtig, einer der ersten zu
sein, der alles bestens erledigt hat und selbständig im Sattel sitzt. Von El Colorado aus geht es durch dürre Pinienwälder zu den grünen, fruchtbaren Ebenen mit Getreide, Gras und vielen
Margeritenfeldern, dann hügelwärts auf Steinpfaden, vorbei an einer prächtigen Finca, die ich auf einer früheren Tour schon einmal fotografiert habe. Mit rassigen Galoppaden durchqueren wir die
lange Ebene Richtung der Hügel. Langsam geht es aufwärts, nach zweieinhalb Stunden gibt es eine kurze Rast. Die Pferde werden angebunden. Judiths Meca darf freilaufen. Jo offeriert uns einen Fino
gemischt mit Amontillado aus Jerez. Weiter reiten wir über zwei Hügelkämme, bis wir auf dem höchsten Punkt weit Richtung Osten in die Landschaft Richtung Benalup sehen. Beim Abstieg auf einem
steinigen schmalen Pfad, entdecken wir mehrere Geier in der Luft, die in einem steinigen Höhlengebiet eine Kolonie haben. Nach etwa dreieinhalb Stunden sind wir in Naveros (hier war ich früher
schon zweimal), wo wir ein gutes Mittagessen bekommen. Von Naveros aus sind es noch zwei Stunden Ritt bis zu unserem Ziel, wo die Pferde über Nacht bleiben. Wir fahren nach Benalup ins Hotel
Cortijo Las Grullas, wo um 20:30 Uhr ein gutes Nachtessen mit Hühnchen serviert wird. Der Abend ist gemütlich und endet zu viert mit Judith, Elke und Nicole bei einem Gintonic. Wiederum ein
schöner Tag zu Ende. Die langen Strecken im Schritt in der Wärme der Sonne haben uns doch ein wenig ermüdet. Aber wir sind stolz, dass wir den Ritt problemlos bewältigen können. Unsere Pferde
sind sehr gut, gefügig, gehen gut vorwärts und vertragen sich.
Mittwoch, 12.4.2023: 22 km, 4 h im Sattel, Duchschnittsgeschwindigkeit 5.5 km/ h, Höchstgeschwindigkeit 26.3 km/h. Heute war der ein Tag der ruhigen, schönen Landschaften (fruchtbare, grüne Ebenen, braune bepflanzte Äcker, farbige Wiesen, eingezäunte Viehweiden, Cañadas, dornige Buschhecken, steinige Gräben, sandig staubige Wege, gelbe, rote, weisse, violette Blumen) und der Tag der Tiere (Geier, weisse Kuhreiher, Störche, Enten, viele Vögel, Kaninchen, Hirsch, Rebhuhn, Kühe und Pferde. Um 10 Uhr Fahrt zu den Pferden, putzen, 11 Uhr aufsteigen. Heinkes Kommentar: Du steigst ja auf wie ein Junger. Abritt bis Benalup, wo wir um 14.30 die Pferde auf einer Wiese in der Nähe des Hotels anbinden. Mittagessen im Hotel - für mich nur Fischkroketten. Um 17 Uhr Ritt für nur noch eine Stunde zu einer grossen Wiese, wo die Pferde bleiben. Fahrt ins Hotel, kurz duschen, denn wir wollen Benalup noch erkunden, sind aber etwas enttäuscht, da die Ortschaft gar nicht unseren Vorstellungen entspricht. Die Kirche Socorro finden wir 1.6 km abwärts und daneben nur eines der bekannten Wandgemälde. Zurück und um 19:45 Apéro im Hotel. Es weht ein kühler Wind. Trotzdem essen wir draussen (Ei, Schnitzel, Pommes). Der Abend vergeht mit guten Gesprächen mit Nicole und Elke.
Donnerstag, 13.4.2023: Wir reiten von Benalup über die Ebene La Janda nach El Almarchal. 32 km, 5 1/4 h. Der Ritt führt uns vor allem auf den Cañadas, den alten Viehtriebwegen voran. Diese Strecken sind links und rechts von Stacheldraht abgetrennt und hier sehr breit. Ein Paradies für Blumen, überall Blütenteppiche in allen Farben. Das Gebiet ist landwirtschaftlich gut genutzt. Wir reiten an Avocadosfeldern vorbei, später an dunkelbraun gepflügten Feldern, die darauf warten, dass das Wasser von den Bergen drauf geleitet wird, damit hier später der Reis wachsen kann. Dann kommen wir an unendliche Wiesen vorbei, auf denen Kühe mit ihren Kälbern weiden. Und dann in der Ferne schwarze Punkte - wahrscheinlich Kampfstiere. Eine neu gepflanzte Olivenplantage zieht sich bis zum Horizont, wo sich auf den Hügelkämmen rund 150 Windräder drehen. Wie erreiche Tahavilla, wo wir zu Mittag essen, Hühnchen am Spiess. Der Weg führt uns weiter Richtung Atlantik über die Hügel der Windmühlen. Der Wind weht kräftig vom Atlantik her, die Winterräder drehen sich nun schnell. Es ist kühl. Judith braucht meine Jacke. Dann erreichen wir unser Ziel El Almarchal, wo die Pferde bleiben. Hier empfängt uns Heinke. Sie ist sehr sehr freundlich und erzählt gerne. Mir macht sie ein Kompliment, ihr seid noch nie einer begegnet, der immer so schnell fertig gewesen sei. Sie meint wahrscheinlich mit selbstständigem Satteln, Absatteln und bereit sein zu helfen, wenn es notwendig ist. Wir fahren zurück nach Zahora ins erste Hotel Hostal del Pino, wo wir wiederum die Zimmer beziehen. Um 20:15 Uhr spazieren Judith und ich zum Strand. Wir halten im Restaurant, wo wir am Montag gegessen haben, und ich meine Mütze vergessen habe. „He olvidado lunes passado mi gorro azul. Sie ist noch da. Der Sonnenuntergang am Strand ist sehr schön, es ist aber kühl. Wir gehen in den Ort zurück zum Restaurant Alhambra, wo wir eine feine Pizza essen und zusammen eine gute Zeit verbringen. Ich finde es wunderschön und bin sehr dankbar, dass ich die Chance habe mit meiner Tochter Judith eine so grossartige Reittour machen zu können.
Freitag, 14.4.2023: Nach etwas kühler Nacht beginnt der letzte Reittag mit Vronis Morgengruss. 8:30 Morgenessen, 9.30 Abfahrt. Von Almarchal nach Zahara de los Atunes, Barbate, Caños de Meca: ca. 30 km, 5 h im Sattel. In Almarchal stehen die Winterräder noch still. Wir reiten Richtung Zahara de los Atunes. Am Weg sehen wir noch einmal einige Stiere und viele freilaufende Pferde. In Zahara kommen wir am Hotel Pozzo del Duce vorbei, in dem ich schon mehrere Male übernachtet habe. Weiter geht es zum Strand. Das Meer ist heute dunkelblau und wunderschön. Von Zahara bis Barbara machen wir mehrere grossartigen Galopps, bis wir vor Barbara bei einer grossen Kuhherde, die hier am Strand lebt, anhalten müssen. Bei Barbate geht es über eine lange Brücke, rechts liegen die Marismas mit hunderten von kleinen krabbelnden Krebsen. Wir reiten um Barbate herum durch einen lichten Pinienwald bis zur Bar am Puerto, wo wir im Stimmengewirr der Fischer das Mittagessen bekommen. Es ist ein grosser Lärm, für mich gibt es nur Thunfisch und Brot. Dann reiten weiter durch den Naturpark la Breña über die Klippen bis zum Wachturm Torre del Tajo, von dem wir einen schönen Blick über das Meer haben. Dann geht es weiter Richtung Trafalgar und schlussendlich Richtung Caños. Nach einem letzten Galopp durch die Bäume erreichen wir die Finca von Joe, wo unsere tolle Reise zu Ende geht. Wir satteln ab, verabschieden die Pferde mit einem letzten Grasleckerli und fahren zu einem Gintonic beim Hotel mit Nicole, Elke und Heinke, dann Ruhe bis um 20:30 Uhr. Um 21:00 Uhr gibt es im Restaurant Pino ein gemeinsames Nachtessen. Wir sitzen ein letztes Mal zusammen. Nicole offeriert uns sogar eine Flasche Rotwein, da ich immer für alle fotografiert und die Fotos in den Gruppenchat gestellt habe. Um 23:30 Uhr gehen wir zu Bett nach meinem ersten und letzten Brandy auf dieser Tour – es hatte leider keinen Carlos Primero - für Joe gibt es einen Rum. Wir haben bei der Trinkgeldsammlung der Gruppe nicht mitgemacht, denn dabei kommen die Guides immer zu kurz. Meine Nachfrage ergibt, dass sie für Joe pro Person nur 10 € und für Heinke 5 € gegeben haben. Wir verabschieden uns von Joe und den netten Kameradinnen. Glücklicherweise haben wir ihm schon vorher sein wesentlich grösseres Trinkgeld gegeben.
Samstag, 15.4.2023: 7:30 aufstehen, 8:30 Morgenessen, 9 Uhr Abfahrt mit Heinke, die auf der ganzen Fahrt unermüdlich erzählt. Bei einem Stopp oberhalb Tariffa blicken wir auf die Strasse von Gibraltar, Afrika und Tanger. Um 12 Uhr sind wir pünktlich am Flughafen. Nach einer kleinen Pizza können wir schon um 15:10 in einen grossen Flieger einsteigen und um 14:30 abfliegen. Auf dem ganzen Flug schreibe ich mein Tagebuch zu Ende. Um 16:40 sind wir in Zürich und um 17:13 in Aarau, wo uns Jan abholt und mich nach Hause fährt. Mit einem Apéro schliessen wir eine wunderschöne Woche ab.